Kürzlich war ich in einem Möbelhaus auf der Suche nach einem neuen Sofa. Dabei weckte ein Couchtisch meine Neugier. Das vermeintlich kleine Tischchen ließ sich nämlich in wenigen Sekunden in einen Esstisch verwandeln. Man musste einfach nur sachte an der Tischplatte ziehen. Eine einfache, aber ziemlich clevere Lösung, wenn Wohnfläche begrenzt ist und jeder Quadratmeter gut genutzt werden will. Denn Wohnraum ist knapp und Neubaumieten sind oftmals hoch. Laut Mieterbund betrug der Anstieg der Nettokaltmieten zwischen 2010 und 2025 deutschlandweit 70 Prozent. Das Paradoxe daran: Auch die Wohnfläche pro Person ist gestiegen, von 46,1 m² im Jahr 2011 auf 49,2 m² im Jahr 2024 (Quelle: Umweltbundesamt).
17 Millionen Deutsche leben allein
Natürlich ist eine große Wohnung eine feine Sache. Mehr Zimmer. Mehr Fläche. Mehr Platz. Das klingt gut. Wer hätte nicht gern ein großes Wohnzimmer und dazu ein eigenes Arbeitszimmer? Die Frage ist nur: Brauchen wir das immer? Und können wir es uns überall leisten? Bauland ist in Metropolen rar. Jeder Quadratmeter muss bezahlt, beheizt, möbliert und instandgehalten werden. Doch über 60 Prozent aller Wohnungen in Deutschland haben mindestens vier Räume, obwohl mittlerweile fast jeder fünfte Deutsche allein wohnt. Das sind über 40 Prozent aller Haushalte. Auf Ein- oder Zweiraumwohnungen entfallen hingegen weniger als 15 Prozent des Wohnungsbestandes. Die Schieflage wird sichtbar: Haushalte werden kleiner, Lebenswege beweglicher, Wohnbedürfnisse vielfältiger. Kleine Wohnungen sind deshalb keine Notlösung, sondern ein passgenaues Angebot in vielen Lebenssituationen.

Wie beliebt kleine Wohnungen sind, sehen wir bei unseren möblierten Apartments in Potsdam-Babelsberg sehr deutlich. Im Campus am Filmpark und am Ahornplatz haben wir über 660 Apartments gebaut, die jetzt von der skaj vermietet werden. Dort wohnen Menschen, die studieren, in den Beruf starten, für ein Projekt nach Potsdam kommen oder zwischen zwei Wohnorten pendeln. Für sie zählt nicht die große Wohnfläche. Es zählt, dass die Wohnung zur Lebenssituation passt. Ein Bett. Ein Bad. Ein Schreibtisch. Eine kleine Küche. Helle Räume. Strom, Wasser, Internet inklusive und einen Platz für das Fahrrad. Das klingt unspektakulär. Im Alltag wird aber genau das gebraucht. Zusammen mit kurzen Wegen zum Arbeits- oder Studienort und einer bezahlbaren Miete wird daraus ein Angebot, das viele suchen.
Lage ist wichtiger als Größe
Viele Studenten in der Medienstadt haben vorher in Berlin gewohnt. Sie fuhren morgens hin und abends zurück. Das kostet Zeit und Geld. Wenn sie direkt am Standort wohnen, sparen sie wertvolle Zeit und oftmals ist auch die Miete günstiger. Das gilt auch für Berufstätige, Gastprofessoren oder Projektmitarbeiter. Wer für sechs Wochen, sechs Monate oder zwei Jahre nach Potsdam kommt, sucht oft keinen großen Hausstand. Gesucht wird ein Zuhause für einen überschaubaren Abschnitt im Leben. Die Wohnung darf dann kompakt sein. Aber sie muss vollständig sein.
Damit kleine Wohnungen funktionieren, müssen sie gut geplant sein. Eine schlecht geschnittene 60-Quadratmeter-Wohnung kann enger wirken als ein gut geschnittenes Apartment mit 35 Quadratmetern. Entscheidend sind neben dem Grundriss vor allem das Licht, die Möblierung und intelligente Stauräume. Lange Flure fressen unnötig Platz. Eine offene Küchenzeile hingegen verbindet Kochen mit Essen und Wohnen. Einbauschränke vom Boden bis zur Decke nutzen Nischen perfekt aus. Das berücksichtigen wir beispielsweise bei der Positionierung der Versorgungsschächte. Und durch den Einbau einer Fußbodenheizung benötigen die Räume keine Heizkörper. Möbel lassen sich so deutlich flexibler positionieren.

Auch die Einrichtung macht viel aus. Viele einzelne Möbelstücke wirken unruhig. Geschlossene Schränke lassen kleine Räume ruhiger wirken. Offene Regale sollten wenigen ausgewählten Gegenständen vorbehalten bleiben. Schubladen unter dem Bett schaffen zusätzlichen Stauraum. Ein Tisch kann zum Essen und Arbeiten genutzt werden, oder sich – wie aus meinem Eingangsbeispiel – in einen Couchtisch verwandeln. Helle Oberflächen helfen, wenn sie nicht steril wirken. Und ein Balkon oder eine kleine Terrasse kann der Wohnung das gewisse Extra geben.
Kleine Wohnungen bieten Vorteile im Alltag
Kompakte Wohnungen haben noch einen Vorteil: Sie erleichtern den Alltag. Weniger Fläche bedeutet weniger aufräumen und putzen. Man muss weniger heizen und die Wohnung wird schneller warm. Man kauft auch überlegter ein und sammelt weniger an. Jedes Ding hat seinen Platz oder fliegt raus. Das räumt nicht nur die Wohnung auf. Es räumt auch den Kopf auf. Und wer weniger Geld für Miete, Energie und Möbel ausgibt, gewinnt Spielraum für andere Dinge. Nicht jede gesparte Quadratmeterzahl ist daher ein Verlust, wenn dadurch Budget für andere Prioritäten im Leben frei wird.
Klar, kleine Wohnungen sind nicht für jeden geeignet. Familien benötigen natürlich mehr Platz. Wer viel zu Hause arbeitet, möchte vielleicht Wohnen und Arbeiten mit einem Arbeitszimmer besser trennen. Und zu viele Personen in einer zu kleinen Wohnung sind ebenfalls ein Problem. Kompakt wohnen muss zur Lebenssituation passen.

Kleine Wohnungen dürfen auch kein Vorwand sein, um schlechte Planung oder zu hohe Quadratmeterpreise schönzureden. Eine kleine Wohnung ist nur dann ideal, wenn sie optimal genutzt werden kann. Für uns als KW-Development heißt das, jeden Quadratmeter sorgfältig zu planen. Denn die Erfahrung zeigt: Gute, kleine Wohnungen entstehen durch Präzision bis ins Detail.
Wir müssen realistisch bleiben: Grundstückspreise und Baukosten werden auf absehbare Zeit auf einem hohen Niveau bleiben. Für mich ist neben dem Ziel, viel zu bauen, auch intelligent kompakt zu bauen Teil der Lösung. Die Zukunft des Wohnens entscheidet sich nicht allein an der Frage, wie viele Quadratmeter zur Verfügung stehen. Entscheidend ist, wie viel Lebensqualität diese Quadratmeter ermöglichen. Und da sind gut geplante kleine Wohnungen deutlich besser als ihr Ruf. Eine kleine Wohnung ist dann kein Kompromiss. Sie ist eine kluge Entscheidung. Falls Sie also einen Umzug planen, achten Sie besser auf die Qualität des Grundrisses als auf die bloße Zahl der Quadratmeter.
Ihr Jan Kretzschmar